The Transatlantic Hearts Motel

Geschichten und Gedanken voll Sehnsucht nach Heimat.

Iran 5, 25

Trinke Gift aus der Schlangenflasche,
spritze mir Blei direkt ins Herz.
Höre einfach auf zu atmen
und schiebe Glas in beide Augen.

Jetzt wo Alles verloren ist,
was macht Heimat noch für Sinn?

Wurzelloses Weiterreisen: nur im Kreis.

Ungeträumtes zartes Bitter

Ich träumte ich küsste des Todes blut’ge Lippen,
als ich gestrandet an der Bucht der Geistersonnen.

Träumte ich schlief mit des Todes heissem Körper,
als ich verblutend neben mir lag.

Träumte, ich sei nur Geschmeiss,
das auf einem verwesten Schwein zu Gottes letzter Hoffnung wird.

Ich träumte, ich schlief und träumte.

Träumte von gleissend Engels Licht,
von Kindern mit hinzugenähten Knöpfchenaugen.

Träumte von Kannibalen die aus Luftschiffen fielen,
von damals: wir alle als Käfer.

Träumte von Heimat mit Müttern ohne Herzen
und von des Grossvaters leisem Klagen.

Träumte mich in tiefste Höllen,
wo Dämonen mit Donner schlafend Teufel warfen.

Ich träumte mehr als Greis und Riese…

Nur von dir, mein zartes Bitter, von dir träumte ich noch nie.

Ein Schlaf aus Meer

Auf der dunklen Seite des Mondes angekommen
befreit sich mein banges Herz
von Trauer, Leid und Schwerkraft.

In der völligen Dunkelheit wieder zuhause,
hält sich mein Lächeln
hin zu kosmischem Wind.

In aller toten Stille,
wo ich nur noch mein eigenes Blut
in mir rauschen höre,
schlägt mir der Puls
Zufriedenheit in kleine Stückchen
ewiger Zeit.

Hier wo Licht niemals blendet
und vielleicht mal grau ist,
in Kälte und Einsamkeit,
will ich verweilen
bis ich wieder Sterne bin,
auf der dunklen Seite des Mondes.

10957,5

Nichts hat sich hier verändert,
noch immer vermisse ich dich.

Die Tage werden nur kürzer,
während das Leben Versprechen bricht.

Umzingelt nur von Greisen,
mit Gift in ihrem Blick,

verliere ich die Hoffnung,
weil niemand mit mir spricht.

Herrschaft der Hoffnung

Gott sagt Nein und dreht sich weg,
lässt mich zurück auf hoher See.
Glauben forme ich aus dem Dreck,
all der Wege auf denen ich geh’.

Diamantenstaubregen

[Vor mir der Horizont]

Wir tanzen im Diamantenstaubregen,
oh wundervolles Farbenkind.

Ich lasse deine Hand los, du hälst fest,
flüsterst wie Abendhauch:

“Es bleibt immer etwas von dir in mir zurück.
Jedes Mal stirbt ein kleines Stück.”

Mein Herz so schwer und müde,
dieser Kuss jedoch ein Versprechen:

“Unsere Liebe ist unendlich.
Sie überdauert alle Ewigkeit.
An einem Ort wo alles besser ist,
werden wir uns wiedersehen.”

Wir baden im Diamantenstaubregen,
mein wundervolles Farbenkind.

In diesem Leben sehen wir uns nie wieder…

[Hinter mir geht die Erde zu]

Atombombe Menschenherz

Hinter öligen Neon-Paradiesfassaden
beten die Räder des Menschenmannes:

Hundertschaften Rabenschwärme
fliegen zurück in die Unterwelt.
Auch sie konnten aus Judas
keinen besseren Mensch machen.
Denn kein Einziger hier von uns,
hat jemals für die Liebe gestimmt.

Während wir gar in uns’ren eigenen Märchen verloren gehen und uns am Ende verlieren. Während Christus wieder in die Umlaufbahn aufsteigt und auf blinden Freuquenzen sendet. Während die Sonne sich in die Nacht zurückwirft…

schlägt jedoch mit stetem Schlag
für weitere fünftausend Jahre
ein in Gottes Raum und Zeit
die Atombombe Menschenherz.

Holz aus Wind

Kennst du das, Kleines:

Wenn du wünschtest du wärst aus Holz.
Wenn du wünschtest, du wärest nur der Bilderrahmen
und nicht im Bild. Nicht auf dem Foto, nicht neben ihm.

Wenn du wünschtest, du wärst nur aus Wind.
Wenn du wünschtest, du wärst nur Flüstern darin
und nie mehr Redenredenredenreden…

Kennst du das auch, Kleines?

Am Platz der grossen Wahrheit

“Am Ende bist du allein. Nach all der Zeit des Leidens, sogenannter Freundschaften und schalgewordenen Liebeleien. Du bist allein und stirbst erst, wenn du es auch wirklich akzeptiert hast, als die einzige, unausweichliche, grosse Wahrheit im Leben.”

Er drückte seine Zigarette aus und schaute auf. Der Nebel hatte sich ganz Paris einverleibt und ließ Autos, Züge und Menschen scheinbar nur zäh und mit großer Anstrengung in letzter Restbewegung bleiben.

Er kramte in der linken Jackentasche und holte sich nochmal eine Kippe raus. Alle stellen sich Paris romantisch und poetisch vor. Der Eifelturm, ein großer Brunnen, der Liebende zusammenführt und Liebe wieder auffrischt. Lichter einer schützenden Grossstadt, die sich um alle in ihr sorgt.

Er zündete sich die Zigarette an und lies das Feuerzeug in der Tasche verschwinden.

So will man Paris nicht kennen. Als rostbraunen Stahlkoloss der am Sterben ist. Als paranoider Heroinjunkie auf der Suche nach dem hoffentlich goldenen Schuss. Als Mahlwerk von so vielen Träumen. Ein Schlachthaus für Hoffnung. Auch im Frühling. Grau und dreckig und unbarmherzig. Leer wie das Kompliment einer Hure. Kalt und einsam wie seine vielen engen Hintergassen, in denen das Licht der Strasse niemals hineinfällt.

Die zweite Zigarette schmeckte nicht. Er warf sie nur halbausgeraucht weg. Steckte seine Hände in die Taschen. Ballte seine Fäuste und grub sein Gesicht tiefer in seinen Schal.

Er würde sich doch noch einmal den Eifelturm ansehen. Warum auch immer.

In Anbetracht der Vergangenheit

Wieder sitze ich hier und muss an dich denken.
Meine Sirene. Gesicht Gottes reflektiert in Gold.
Jede Erinnerung an dich ist ein Trauma für sich.
Wie könnte mein törichtes Herz jemals aufhören,
jeden einzelnen seiner Schläge, alleine dir zu widmen?

Wieder schreibe ich dir einen einsamen Brief
und lege ihn – wenn auch nur in Gedanken -
unter dein Kopfkissen während du schläfst,
auf das meine Worte wie gewaltige Stürme
direkt (vielleicht endlich) zu deiner Seele flüstern.

Ich weiß: uns trennen Ozeane.
Und alle Kraft dieser Welt.

Kurz hast auch du mich angeschaut,
ich konnte dich fast berühren.
Das sollte mir Narr doch reichen,
die Liebe in meinen Gedanken.

Ich sollte doch so dankbar sein,
dass ich dich überhaupt gesehen,
hinter undurchdringlichen Glas
dieser ungerechten Geisterwelt.

Doch kein Gedanke kann mich trösten.
Denn mein Herz ist nur noch Sehnsucht.

Ich sehne mich mit jedem Tag,
den ich ohne dich verlorenlebe
immer mehr und mehr nach dir.

Und wünschte mir nichts sehnlicher,
als die Zeit zurückzudrehen,
um wieder vor dir zu stehen.

Meine Seele, alle Geschöpfe Gottes und den Himmel selbst,
würde ich verraten, um dich dann diesmal endlich zu erobern.

So sehr fehlst du mir.

Doch was rede ich noch immer zu dir,
vergeblicher kann man nicht sein.

Du weißt so vieles nicht…

Jeder einzelne Sonnenstrahl,
den mir dein Gesicht je reflektiert
verweilt noch stets in meinem Herzen.

Jeden Hauch deines Lächelns,
auch wenn du über mich gelacht,
hüte ich in meiner Seele.

Jeden Stern der deinen Namen rief,
halte ich hinter meinen Augenlidern,
um dich im Traum zu sehen.

Jeder Tag in meinem Leben ohne dich
ist ein Fluch von Tod und Tristesse,
wenn kein Platz jemals mehr Heimat ist.

So luftleer und nunmehr ohne dich
ist jedes Fest nur leeres Rauschen.
und mein Leben laut, doch ohne Sinn.

So sehr fehlst du hier.