The Transatlantic Hearts Motel

Geschichten und Gedanken voll Sehnsucht nach Heimat.

Atombombe Menschenherz

Hinter öligen Neon-Paradiesfassaden
beten die Räder des Menschenmannes:

Hundertschaften Rabenschwärme
fliegen zurück in die Unterwelt.
Auch sie konnten aus Judas
keinen besseren Mensch machen.
Denn kein Einziger hier von uns,
hat jemals für die Liebe gestimmt.

Während wir gar in uns’ren eigenen Märchen verloren gehen und uns am Ende verlieren. Während Christus wieder in die Umlaufbahn aufsteigt und auf blinden Freuquenzen sendet. Während die Sonne sich in die Nacht zurückwirft…

schlägt jedoch mit stetem Schlag
für weitere fünftausend Jahre
ein in Gottes Raum und Zeit
die Atombombe Menschenherz.

Holz aus Wind

Kennst du das, Kleines:

Wenn du wünschtest du wärst aus Holz.
Wenn du wünschtest, du wärest nur der Bilderrahmen
und nicht im Bild. Nicht auf dem Foto, nicht neben ihm.

Wenn du wünschtest, du wärst nur aus Wind.
Wenn du wünschtest, du wärst nur Flüstern darin
und nie mehr Redenredenredenreden…

Kennst du das auch, Kleines?

Am Platz der grossen Wahrheit

“Am Ende bist du allein. Nach all der Zeit des Leidens, sogenannter Freundschaften und schalgewordenen Liebeleien. Du bist allein und stirbst erst, wenn du es auch wirklich akzeptiert hast, als die einzige, unausweichliche, grosse Wahrheit im Leben.”

Er drückte seine Zigarette aus und schaute auf. Der Nebel hatte sich ganz Paris einverleibt und ließ Autos, Züge und Menschen scheinbar nur zäh und mit großer Anstrengung in letzter Restbewegung bleiben.

Er kramte in der linken Jackentasche und holte sich nochmal eine Kippe raus. Alle stellen sich Paris romantisch und poetisch vor. Der Eifelturm, ein großer Brunnen, der Liebende zusammenführt und Liebe wieder auffrischt. Lichter einer schützenden Grossstadt, die sich um alle in ihr sorgt.

Er zündete sich die Zigarette an und lies das Feuerzeug in der Tasche verschwinden.

So will man Paris nicht kennen. Als rostbraunen Stahlkoloss der am Sterben ist. Als paranoider Heroinjunkie auf der Suche nach dem hoffentlich goldenen Schuss. Als Mahlwerk von so vielen Träumen. Ein Schlachthaus für Hoffnung. Auch im Frühling. Grau und dreckig und unbarmherzig. Leer wie das Kompliment einer Hure. Kalt und einsam wie seine vielen engen Hintergassen, in denen das Licht der Strasse niemals hineinfällt.

Die zweite Zigarette schmeckte nicht. Er warf sie nur halbausgeraucht weg. Steckte seine Hände in die Taschen. Ballte seine Fäuste und grub sein Gesicht tiefer in seinen Schal.

Er würde sich doch noch einmal den Eifelturm ansehen. Warum auch immer.